Nützliches

RE: Andere Sprache, anderes Denken?

 von Michael Allers , 21.07.2011 18:26

Zitat
Ein Problem sehe ich darin, daß es so schwierig ist, sich die im Unterbewußtsein, gleichsam ungefragt ablaufenden Prozesse zu veranschaulichen.


Ja, schwierig ist es; aber ich bin ganz gut darin, Unbewusstes im Nachhinein durch das Bewusstsein zu analysieren.
Schizophren?!? Wir?!? Niemals, Herr Doktor! ;o)

Zitat
Mir erschließt sich nicht ganz, wieso Du Immersion mit Spracherwerb durch Bilder gleichsetzt? Du verlagerst die Frage, wie wir nicht oder nur sehr schwer bildlich vorzustellende Begriffe erlernen, im Wesentlichen nur in eine andere Sprache.


Ich beschränke Immersion ja gerade nicht auf Bilder. Das hast eher du mit deinem Beispiel vom Affen und der Banane getan.
Aber es ist doch so:
Wenn man eine neue Sprache lernt, versucht man zuerst die vielen konkreten Dinge des täglichen Lebens zu begreifen: Haus, Auto, Zigaretten, Bier usw.. Und davon kann man sich doch im Wortsinne ein Bild machen. So war mein Sprachtipp gemeint.
Niemand lernt beim Spracherwerb zuerst die Definition von - bleiben wir bei diesem Beispiel - eternity. Aber wenn mir ein Amerikaner diesen Begriff auf englisch erklärt, ist eben auch das Immersion.

Zitat
Sprache steht immer im Zusammenhang, ist ein Prozeß und nie eine Einbahnsprache (edit: Ich lasse den hübschen Assoziationsfehler stehen.). Daher halte ich Dein "Das Denken formt die Sprache, nicht umgekehrt." für eine Verkürzung, die nur die halbe Wahrheit ist. Wenn es so wäre, wie Du behauptest, könnten sich bspw. all die Effekt-Feministinnen und Schein-Liberalen die Mühe sparen, weibliche Formen für alle möglichen Bezeichnungen durchzuboxen, bis hin zu Mitgliederin (!) und Salzstreuerin.



OK, packen wir dieses heiße Eisen an, auch wenn es bzgl. Denglisch ziemlich off-topic ist. Ein weiteres schönes Beispiel, bei der WM (!) gehört: "Sturmspitzin". Wie z.Zt. noch auf meiner Homepage dokumentiert, bin ich ein großer Fan des Frauenfußballs. Und genau deshalb schreibe ich nicht "Frauen-WM" oder "WM der Frauen". Gerade das würde etwas Selbstverständliches zu etwas Exotischem machen, und genauso verhält es sich mit allen feminisierten Formen. Wenn ich sage "Meine Kollegen", meine ich natürlich alle, ob weiblich oder männlich. BTW: In dieser Hinsicht (generische Benennung) hat (D)englisch durchaus einen Vorteil: Niemand käme auf die Idee, an analyst könne nur ein Mann sein.

Insofern hast du Recht: Hier schlägt sich das Denken nicht in der Sprache nieder. Und es mag, wie ich auch in meinem VDS-Blog, 07.03.2011: Ich denke, also bin ich geschrieben habe, eine Wechselwirkung zwischen Denken und Sprache geben. Aber dass die Sprache das Denken bestimmt, wie Denglisch-Gegner behaupten, ist noch viel einbahnstraßenhafter und m.E. grundverkehrt. Das ist es, wogegen ich mich wehre. Denken ohne Sprache ist möglich (s. Frühmenschen, Taubstumme, Tiere), Sprache ohne Denken nicht.


"Je mehr Wortbestand eine Sprache mit anderen gemeinsam hat, umso größer ist ihre Wettbewerbsfähigkeit. Die englische Sprache selbst besteht zu guter Hälfte aus Wörtern anderer Sprachen, und sie ist ja auch nicht untergegangen, wie wir wisssen." - Prof. (em.) für Germanistische Linguistik Dr. Peter von Polenz

Michael Allers
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Betreff Absender Datum
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