Round about Sprachlügen

#1 von Michael Allers , 15.08.2011 21:38

Zitat
Tim fiel als einem der Ersten auf, dass zusammen mit dem Kreisverkehr auch das Wort „roundabout", die englische Bezeichnung für den Kreisel, in deutschen Landen Einzug gehalten hat. Was ihn daran verdutzte war, dass er nie dahinter kam, was die Deutschen ausdrücken wollten, wenn sie das Wort benutzten. „Das macht so roundabout 500 Euro", postulieren deutsche Verkäufer so gerne, meinen dabei „ungefähr", sagen aber letztlich „Kreisverkehr". Wen wundert's, wenn Tim da nicht mehr mitkommt. Ganz unwohl zumute wird uns, wenn die Deutschen sich Body-Bags kaufen und zum Public-Viewing gehen. Im Englischen bedeutet dies nämlich, dass sie sich Leichensäcke kaufen und zu einem aufgebahrten Leichnam gehen. (Quelle)


... schrieb ein gewisser Tom Rainy, der eigentlich Thomas Regnery heißt und eine Kolumne auf seiner Site 'Leicester Square' (gelungenes Wortspiel, aber eben auch Denglisch) nennt. Zur sprachnörgler-typischen Inkonsequenz gesellt sich auch hier die Verfälschung sprachlicher Sachverhalte (es gibt auch ein sehr deutsches 4-letter word dafür).

Man vertausche round about (mit Leerzeichen), Beispiel: "Round about a pound", ähnlich (mit Apostroph) auch bekannt aus dem Miles Davis-Album 'Kreisverkehr Mitternacht', mit roundabout (Substantiv, ohne Leerzeichen), das in der Tat Karussell oder Kreisel heißt. Und schon kann wieder ein - realer oder erfundener - Engländer über Denglisch als 'falsches Englisch' ablästern. Wes Geistes Kind der ist / wäre, zeigt schon der absurde Verdacht, im Restaurant 'Ratskeller' würden eventuell Ratten serviert. Die folgenden Halbwahrheiten über Public Viewing und Body Bags sind sattsam bekannt.

Fazit:
1. Round about heißt 'um herum' und ist kein falsches Englisch, nicht mal ungefähr. Deutsche Verkäufer sagen in diesem Fall genau das, was sie meinen.
2. Betr. Shooting Star, Dressman, Talkmaster usw.: Mia san mia! Was geht Engländer unser Sprachgebrauch an?
3. Man gewöhnt sich ja daran, dass Denglisch-Gegner mangels Argumenten zu Verbalinjurien ("Idioten") oder gar physischer Gewalt neigen ("... anstatt ihnen hin und wieder mit einem Zehner-Kantholz die Zähne aus der Fresse zu schlagen.")
4. Selbst belügen lässt man vielleicht ganz gern mal, wenn dies in einigermaßen intelligenter Manier geschieht - aber doch bitte nicht so plump mit diesen ewig gleichen Faktenverdrehungsmethoden!

Mit angeödeten Grüßen ...


"Je mehr Wortbestand eine Sprache mit anderen gemeinsam hat, umso größer ist ihre Wettbewerbsfähigkeit. Die englische Sprache selbst besteht zu guter Hälfte aus Wörtern anderer Sprachen, und sie ist ja auch nicht untergegangen, wie wir wisssen." - Prof. (em.) für Germanistische Linguistik Dr. Peter von Polenz

 
Michael Allers
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